Michael R. | 14. Januar 2026

Trauerfeier planen: Ein Leitfaden

Eine Trauerfeier zu planen gehört zu den schwersten Aufgaben, die das Leben stellen kann. Vielleicht sitzen Sie gerade mit einer Tasse Tee da, erschöpft von den letzten Tagen, und fragen sich: Wie soll ich das alles schaffen?

Zunächst: Es ist in Ordnung, überfordert zu sein. Die meisten Menschen organisieren nur ein- oder zweimal im Leben eine Trauerfeier. Niemand erwartet, dass Sie das routiniert meistern.

Was viele nicht wissen: Eine Trauerfeier zu planen ist nicht nur eine organisatorische Pflicht – es ist auch ein letzter Liebesdienst. Jede Entscheidung, die Sie treffen, jedes Lied, das Sie auswählen, jede Blume, die Sie bestellen: All das erzählt die Geschichte eines Menschen, der Ihnen wichtig war.

Dieser Leitfaden begleitet Sie Schritt für Schritt durch die wichtigsten Entscheidungen – nicht als starre Checkliste, sondern als Orientierung, die Sie in Ihrem eigenen Tempo nutzen können.

Themen


Vor der Planung: Was Sie wissen sollten

Bevor Sie sich in Details vertiefen, helfen ein paar grundlegende Informationen, die Situation einzuordnen.

Wann findet die Trauerfeier statt?

In Deutschland finden Trauerfeiern üblicherweise 3 bis 10 Tage nach dem Tod statt. Der genaue Termin hängt von mehreren Faktoren ab: der Verfügbarkeit der Trauerhalle oder Kirche, dem Terminkalender des Pfarrers oder Trauerredners und – bei einer Feuerbestattung – der Kapazität des Krematoriums.

Die gute Nachricht: Den Termin koordiniert in der Regel Ihr Bestatter. Sie müssen nicht selbst bei Friedhof, Krematorium und Pfarramt anrufen.

Wer plant was?

Die Aufgaben verteilen sich auf mehrere Schultern:

Wer Aufgaben
Bestatter Überführung, Sarg/Urne, Behördliches, Koordination mit Friedhof und Krematorium
Sie und Ihre Familie Persönliche Gestaltung: Musik, Redner, Fotos, Dekoration
Pfarrer / Trauerredner Struktur der Zeremonie, Trauerrede (nach Vorgespräch mit Ihnen)

Was kostet die Trauerfeier?

Die Trauerfeier ist ein Teil der gesamten Bestattungskosten. Für die Zeremonie selbst – Trauerhalle, Redner, Musik und Dekoration – können Sie grob mit 500 bis 2.000 Euro rechnen.

Gut zu wissen: Teure Extras wie Live-Musik oder üppiger Blumenschmuck sind schön, aber nicht notwendig. Eine würdevolle Trauerfeier ist auch mit kleinem Budget möglich.

Die wichtigsten Entscheidungen

Bevor Sie sich um Blumen und Musik kümmern, stehen einige grundlegende Fragen an. Diese Entscheidungen prägen den Charakter der gesamten Feier.

Kirchlich oder weltlich?

Kirchliche Trauerfeier: Ein Pfarrer oder Priester leitet die Feier. Sie folgt einer liturgischen Struktur mit Gebeten, Bibellesungen und Segen. Der Rahmen ist vertraut und gibt vielen Menschen Halt.

Weltliche Trauerfeier: Ein freier Trauerredner oder Angehörige gestalten die Feier. Mehr Freiheit, unabhängig von religiösen Traditionen.

Die Grenzen sind fließend: Auch nicht-religiöse Familien können eine Trauerfeier in einer Kirche abhalten. Fragen Sie sich: Was hätte sich der Verstorbene gewünscht? Was gibt Ihnen Trost?

Wo soll die Feier stattfinden?

Ort Vorteile Zu bedenken
Friedhofskapelle Klassisch, Beisetzung direkt im Anschluss Oft Zeitlimit (30–45 Min.)
Kirche Mehr Platz, gute Akustik Anfahrt zum Friedhof nötig
Krematorium Offene Aufbahrung möglich Nicht überall verfügbar
Bestattungswald Natürliche, tröstliche Atmosphäre Wetterabhängig, Dekoration eingeschränkt
Alternative Orte Sehr individuell (Restaurant, Garten) Vorab mit Bestatter klären

Bedenken Sie: Wie viele Gäste erwarten Sie? Ist der Ort für ältere oder gehbehinderte Menschen gut erreichbar?

Offener oder geschlossener Sarg?

Diese Entscheidung ist sehr persönlich. Bei einer offenen Aufbahrung können Angehörige den Verstorbenen noch einmal sehen. Manche empfinden das als wichtigen Teil des Abschieds, andere möchten den Menschen so in Erinnerung behalten, wie er im Leben war.

Ihr Bestatter wird Sie ehrlich beraten, ob eine offene Aufbahrung möglich und sinnvoll ist.

Wer spricht?

Die Trauerrede ist das Herzstück der Feier:

  • Pfarrer: Liturgische Formen, religiöse Elemente. Vorgespräch erforderlich.
  • Freier Trauerredner: Individuelle Gestaltung, unabhängig von Religion. Kosten: 200–500 €.
  • Angehörige oder Freunde: Kurze, persönliche Worte – oft besonders bewegend.

Eine Kombination funktioniert oft gut: Der Pfarrer oder Redner übernimmt den Rahmen, Angehörige ergänzen persönliche Erinnerungen.

Was passiert nach der Beisetzung?

Der Leichenschmaus (auch Trauerkaffee) ist eine alte Tradition: Nach der Beisetzung trifft sich die Trauergemeinde zum Essen und Erinnern – im Restaurant, Café oder zu Hause.

Der Leichenschmaus ist optional. Wenn es Ihnen zu viel ist, können Sie darauf verzichten oder nur den engsten Kreis einladen.


Den Ablauf gestalten: Schritt für Schritt

Typischer Ablauf einer Trauerfeier

  1. Einlass und Ankommen – Gäste nehmen Platz, leise Musik im Hintergrund
  2. Begrüßung – Redner oder Pfarrer eröffnet die Feier
  3. Trauerrede – Würdigung des Lebens
  4. Musikstück oder Gedicht – Moment der Besinnung
  5. Persönliche Worte – Angehörige teilen Erinnerungen (optional)
  6. Stilles Gedenken oder Gebet
  7. Gang zum Grab – Trauergemeinde begleitet Sarg oder Urne
  8. Beisetzung – Absenken des Sarges oder der Urne
  9. Letzter Abschied – Gäste werfen Erde, Blumen oder Blütenblätter
  10. Kondolenz – Beileidsbekundungen an die Angehörigen
  11. Leichenschmaus (optional)

Dauer: Die Feier in der Kapelle dauert 30–45 Minuten. Planen Sie für den gesamten Ablauf etwa 1,5–2 Stunden ein.

Musik auswählen

Musik berührt, wo Worte nicht hinreichen. Üblicherweise werden 2–3 Stücke gespielt:

  • Zum Einlass – Ruhige Musik, während die Gäste ankommen
  • Während der Feier – Nach der Trauerrede oder zwischen Beiträgen
  • Zum Ausgang – Begleitet den Gang zum Grab

Persönliche Lieblingslieder berühren oft am meisten – auch wenn sie nicht „typisch" für eine Beerdigung sind.

Häufig gewählte Musikstücke:

  • Time to Say Goodbye – Andrea Bocelli & Sarah Brightman
  • Hallelujah – Leonard Cohen
  • Ave Maria – Franz Schubert
  • Über den Wolken – Reinhard Mey
  • My Way – Frank Sinatra
  • Tears in Heaven – Eric Clapton
  • Amazing Grace – traditionell

Passende Texte finden Sie in unserer Sammlung: Trauersprüche.

Blumenschmuck und Dekoration

  • Sargschmuck / Urnenschmuck: Gesteck oder Bouquet auf dem Sarg oder neben der Urne
  • Trauerkränze: Von Familie, Freunden, Vereinen – mit Schleife und Widmung
  • Einzelne Blumen: Gäste werfen sie ins Grab

Die Blumenauswahl kann dem Geschmack des Verstorbenen folgen – Lieblingsblumen oder -farben machen den Schmuck persönlicher.

Persönliche Elemente einbauen

  • Fotos: Porträt neben dem Sarg, Bildergalerie oder Diashow
  • Persönliche Gegenstände: Lieblingsbuch, Instrument, Wanderschuhe, Trikot
  • Erinnerungskarten: Kleine Karten mit Foto und Spruch für die Gäste
  • Rituale: Kerzen anzünden, Blütenblätter streuen, gemeinsame Stille

Virtuelle Teilnahme ermöglichen

Nicht alle können persönlich dabei sein. Möglichkeiten:

  • Livestream: Manche Friedhofskapellen und Bestatter bieten dies an
  • Videoaufzeichnung: Für Angehörige, die später schauen möchten
  • Videobotschaften: Abwesende senden Worte, die gezeigt werden
  • Online-Kondolenzbuch: Beileid auch aus der Ferne ausdrücken

Die Gäste informieren

Wen einladen?

  • Nur engste Familie – intime Feier im kleinsten Kreis
  • Familie und enge Freunde – Menschen, die dem Verstorbenen nahestanden
  • Erweiterter Kreis – auch Nachbarn, Kollegen, Vereinsmitglieder
  • Öffentlich – jeder, der sich verabschieden möchte

Wie informieren?

Weg Vorteile Nachteile
Persönliche Anrufe Direkt, persönlich Zeitaufwendig
Zeitungsanzeige Erreicht regionales Umfeld Teuer (oft 200–800 €), mehr zu Kosten
Online-Traueranzeige Schnell, günstig, per WhatsApp/E-Mail teilbar Erreicht nicht jeden
Trauerkarten Klassisch, persönlich Aufwendig, langsamer

Was gehört in die Einladung?

  • Name des Verstorbenen (ggf. mit Geburtsname)
  • Geburts- und Sterbedatum
  • Datum, Uhrzeit und Ort der Trauerfeier
  • Hinweis zu Blumen oder Spenden
  • Optional: Kleidung, Leichenschmaus

Wenn alles zu viel ist: Das Minimum

Vielleicht fühlt sich gerade alles überwältigend an. Die Energie ist aufgebraucht. Wenn das der Fall ist, lesen Sie diesen Abschnitt.

Eine würdevolle Trauerfeier braucht nur:

  • Einen Zeitpunkt
  • Einen Ort
  • Jemanden, der ein paar Worte spricht
  • Menschen, die da sein wollen

Das ist alles. Wirklich.

Blumen, Musik, Leichenschmaus, Dekoration – all das ist schön, aber nicht notwendig. Ihr Bestatter kann den organisatorischen Teil übernehmen. Sie müssen nur da sein.

Eine schlichte Feier ist nicht weniger wert als eine aufwendige. Die Liebe zeigt sich nicht in der Größe der Zeremonie, sondern darin, dass Sie da sind.

Wenn Sie möchten, können Sie später – Wochen oder Monate nach der Beisetzung – eine Gedenkfeier organisieren, wenn Sie mehr Kraft haben.


Checkliste: Trauerfeier planen

Vor der Trauerfeier

  • Bestatter beauftragen und Wünsche besprechen
  • Art der Feier festlegen (kirchlich oder weltlich)
  • Ort und Termin abstimmen
  • Pfarrer oder Trauerredner kontaktieren
  • Vorgespräch für die Trauerrede führen
  • Musik auswählen (2–3 Stücke)
  • Blumenschmuck und Kränze bestellen
  • Traueranzeige aufgeben oder versenden
  • Leichenschmaus reservieren (falls gewünscht)
  • Fotos und persönliche Gegenstände zusammenstellen
  • Ablauf mit Redner und Bestatter durchsprechen

Am Tag der Trauerfeier

  • Frühzeitig am Ort sein (30 Minuten vorher)
  • Fotos und Dekoration platzieren
  • Ablauf noch einmal kurz besprechen
  • Taschentücher einpacken
  • Jemanden bitten, Gäste zu empfangen

Nach der Trauerfeier

  • Blumen und Kränze vom Grab räumen (nach einigen Tagen)
  • Danksagungen versenden
  • Rechnungen prüfen und begleichen
  • Sich Zeit für sich selbst nehmen

Häufige Fragen

Wie lange dauert eine Trauerfeier?

Die Feier in der Kapelle dauert meist 30–45 Minuten. Mit Beisetzung und Kondolenz planen Sie insgesamt etwa 1,5–2 Stunden ein.

Was kostet ein freier Trauerredner?

Freie Trauerredner berechnen in der Regel 200–500 Euro (inkl. Vorgespräch und Vorbereitung).

Müssen Kinder an der Trauerfeier teilnehmen?

Nein. Ob Kinder teilnehmen, hängt von ihrem Alter, ihrer Beziehung zum Verstorbenen und ihrem Wunsch ab. Sprechen Sie offen mit dem Kind und bereiten Sie es vor.

Was ziehe ich zur Trauerfeier an?

Dunkle, dezente Kleidung ist üblich – Schwarz, Dunkelblau, Grau. Manchmal wünscht die Familie ausdrücklich bunte Kleidung. Achten Sie auf Hinweise in der Traueranzeige.

Kann eine Trauerfeier ohne Beisetzung stattfinden?

Ja. Eine Gedenkfeier kann unabhängig von der Beisetzung stattfinden – etwa einige Wochen später, wenn Angehörige aus dem Ausland Zeit für die Anreise brauchen.

Kann ich ohne Bestatter planen?

Theoretisch ja, aber nicht empfehlenswert. Der Bestatter koordiniert behördliche Dokumente, Transport und Abstimmung mit Friedhof und Krematorium.

Was bedeutet „Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir abzusehen"?

Die Familie wünscht nach der Beisetzung keine Kondolenz am Grab. Gäste verabschieden sich still. Respektieren Sie diesen Wunsch.