Michael R. | 19. Januar 2026

Was kostet eine Bestattung in Deutschland? Alle Kosten auf einen Blick

Der Verlust eines geliebten Menschen ist schwer genug – finanzielle Unsicherheit sollte Sie in dieser Zeit nicht zusätzlich belasten. Hier erfahren Sie, mit welchen Kosten Sie rechnen müssen und welche Möglichkeiten es gibt, diese zu reduzieren.

Kurzübersicht: Bestattungskosten in Deutschland

  • Günstigste Option: Anonyme Feuerbestattung ab ca. 2.000–3.000 €
  • Durchschnittlicher Bereich: 6.000–12.000 €
  • Aufwendige Bestattungen: über 15.000 € möglich
  • Größte Kostentreiber: Bestattungsart, Grabwahl, Grabmal, Region
  • Schnelle Sparhebel: Feuer- statt Erdbestattung, Reihengrab, schlichter Sarg/Urne, digitale Traueranzeige

Häufig gestellte Fragen zu Bestattungskosten

Was kostet eine Bestattung im Durchschnitt?

Die Kosten variieren stark je nach Bestattungsart, Region und individuellen Wünschen:

  • Einfache anonyme Bestattung: ab ca. 2.000–3.000 €
  • Durchschnittliche Bestattung: ca. 6.000–12.000 €
  • Aufwendige Erdbestattung mit großer Feier und hochwertigem Grabmal: über 15.000 €

Wer muss die Bestattungskosten bezahlen?

Das Gesetz legt eine klare Reihenfolge fest:

  1. Der Nachlass: Zuerst deckt das Vermögen des Verstorbenen die Kosten.
  2. Die Erben: Reicht der Nachlass nicht aus, haften die Erben mit ihrem Privatvermögen (gesetzliche Kostentragungspflicht).
  3. Unterhaltspflichtige Angehörige: Gibt es keine zahlungsfähigen Erben, können Ehepartner, Kinder oder Eltern herangezogen werden – auch wenn sie das Erbe ausgeschlagen haben.
  4. Das Sozialamt: Bei nachgewiesener Bedürftigkeit übernimmt das Sozialamt die Kosten für eine einfache, würdevolle Bestattung (§ 74 SGB XII).

Woraus setzen sich die Bestattungskosten zusammen?

Die Gesamtkosten teilen sich in drei Hauptbereiche:

  • Bestatterleistungen: Überführung, hygienische Versorgung, Sarg oder Urne, Organisation, Beratung
  • Friedhofsgebühren: Grabnutzungsrecht (15–30 Jahre), Beisetzung, Trauerhalle, ggf. Einäscherung
  • Weitere Kosten: Grabstein, Grabgestaltung, Trauerredner, Blumenschmuck, Bewirtung, Sterbeurkunden

Sind Friedhofsgebühren verhandelbar?

Nein. Die Friedhofsgebühren legt die Kommune oder der kirchliche Träger in einer Gebührenordnung fest. Sie unterscheiden sich je nach Gemeinde und Grabart erheblich. Stehen mehrere Friedhöfe zur Auswahl, lohnt sich ein Vergleich.

Was ist die günstigste Bestattungsart?

Die anonyme Feuerbestattung ist meist am günstigsten. Die Urne wird auf einem Gemeinschaftsfeld ohne individuelle Kennzeichnung beigesetzt. Dadurch entfallen Kosten für Grabstein, Grabgestaltung und spätere Grabpflege. Auch See- und Waldbestattungen sind oft günstiger als klassische Erdbestattungen.

Kann ich Bestattungskosten von der Steuer absetzen?

Ja, unter bestimmten Voraussetzungen. Wenn der Nachlass nicht ausreicht und Sie als Erbe oder Unterhaltspflichtiger die Kosten tragen, können Sie diese als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Berücksichtigt wird nur der Betrag, der Ihre persönliche „zumutbare Belastung" übersteigt – abhängig von Einkommen, Familienstand und Kinderzahl. Von Versicherungen gedeckte Kosten sind nicht absetzbar.


Bestattungskosten im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt typische Preisspannen für die einzelnen Kostenblöcke:

Kostenblock Typische Kosten Beinhaltet
Bestatterleistungen 1.500–3.500 € Organisation, Versorgung, Überführung, Beratung
Sarg oder Urne 750–4.000 € Material und Design (Urne meist günstiger)
Friedhof und Beisetzung 1.800–5.500 € Grabgebühr, Beisetzung, Trauerhalle, ggf. Einäscherung
Grabmal und Erstgestaltung 1.700–6.500 € Steinmetz, Material, Inschrift, Erstbepflanzung
Trauerfeier und Sonstiges 700–3.000 € Redner, Musik, Blumen, Trauerdruck, Sterbeurkunden
Hinweis: Diese Angaben sind Richtwerte. Die tatsächlichen Kosten variieren je nach Region und Anbieter. Holen Sie immer einen detaillierten, schriftlichen Kostenvoranschlag ein und achten Sie darauf, dass Bestatterleistungen und Fremdkosten (Friedhof, Krematorium, Steinmetz) separat ausgewiesen sind. Vergleichen Sie mehrere Angebote.

Bestattungsarten im Kostenvergleich

Die Wahl der Bestattungsart beeinflusst die Gesamtkosten erheblich. Hier ein Überblick:

Erdbestattung

Die traditionelle Beerdigung im Sarg ist meist die teuerste Variante. Sie erfordert ein größeres Grab mit längerer Laufzeit, einen Sarg und in der Regel ein Grabmal. Auch die laufende Grabpflege verursacht Kosten.

Typische Kosten: 7.000–15.000 €

Feuerbestattung

Nach der Einäscherung wird die Asche in einer Urne beigesetzt. Urnengräber sind kleiner, die Gebühren entsprechend geringer. Zwar fallen Kosten für die Einäscherung an, dafür ist die Urne günstiger als ein Sarg. Die Beisetzung kann auf dem Friedhof, im Bestattungswald oder auf See erfolgen.

Typische Kosten (Urnengrab auf dem Friedhof): 4.500–9.000 €

Waldbestattung

Die Urne wird an den Wurzeln eines Baumes in einem Bestattungswald (z. B. FriedWald oder RuheForst) beigesetzt. Kosten für Grabstein und Grabpflege entfallen. Sie zahlen eine Gebühr für den Baumplatz und die Beisetzung.

Typische Kosten: 4.000–7.000 €

Seebestattung

Die Asche wird in einer wasserlöslichen Urne dem Meer übergeben. Die Kosten umfassen die Reederei und die Zeremonie auf See. Grabpflegekosten gibt es nicht.

Typische Kosten: 3.500–6.500 €

Anonyme Bestattung

Die günstigste Option: Die Urne wird auf einem Gemeinschaftsfeld ohne individuelle Kennzeichnung beigesetzt. Es entstehen keine Kosten für Grabstein, Grabgestaltung oder Grabpflege.

Typische Kosten: 2.000–4.000 €


Beispielrechnung: Was kostet eine Feuerbestattung?

Eine konkrete Beispielrechnung hilft, die Kosten besser einzuordnen. Das folgende Szenario zeigt eine typische Feuerbestattung mit Trauerfeier in einer mittelgroßen Stadt:

Annahmen für dieses Beispiel: Mittelgroße Stadt in Westdeutschland, kleine Trauerfeier im engsten Kreis, schlichter Sarg und Urne, Urnengrab mit 20 Jahren Nutzungsrecht, ohne Grabstein und ohne Bewirtung.
Position Kosten
Bestatterleistungen (Organisation, Überführung, Versorgung) 1.800 €
Einäscherung (Krematorium) 450 €
Urne 280 €
Friedhofsgebühren (Urnengrab, 20 Jahre) 1.400 €
Trauerfeier (Halle, Redner, Musik) 650 €
Blumenschmuck 180 €
Sterbeurkunden und Dokumente 80 €
Gesamt (Richtwert) ca. 4.500–5.200 €

Je nach Region, Anbieter und individuellen Wünschen kann die Summe höher oder niedriger ausfallen. Hinzu kommen optional: Grabstein (ab ca. 1.500 €), Bewirtung nach der Trauerfeier (ab ca. 300 €), Traueranzeige in der Zeitung (ab ca. 150 €).


Regionale Unterschiede bei den Bestattungskosten

Die Kosten für eine Bestattung können sich in Deutschland je nach Region spürbar unterscheiden – vor allem bei den Friedhofsgebühren. Die folgende Tabelle zeigt Tendenzen, keine festen Regeln:

Region Friedhofsgebühren (Tendenz) Anmerkung
Großstädte (München, Frankfurt, Hamburg) Tendenziell hoch Grabnutzungsrechte können deutlich teurer sein als im ländlichen Raum
Süddeutschland (Bayern, Baden-Württemberg) Mittel bis hoch Große Unterschiede zwischen einzelnen Gemeinden möglich
Norddeutschland Mittel Seebestattungen können eine günstigere Alternative sein
Ostdeutschland (Sachsen, Thüringen, Brandenburg) Tendenziell niedriger Oft günstiger als in vergleichbaren westdeutschen Regionen
Tipp: Falls Sie flexibel sind und mehrere Friedhöfe in Frage kommen, vergleichen Sie die Gebührenordnungen. Manche Gemeinden veröffentlichen diese online. Die Unterschiede können mehrere hundert bis über tausend Euro betragen.

Finanzierung und Hilfen bei Bestattungskosten

Bestattungsvorsorge prüfen

Bevor Sie die Kosten selbst tragen, prüfen Sie, ob der Verstorbene vorgesorgt hat:

  • Sterbegeldversicherung: Zahlt einen festgelegten Betrag an die Hinterbliebenen aus.
  • Bestattungsvorsorgevertrag: Ein Vertrag mit einem Bestatter, der bereits bezahlt wurde.
  • Lebensversicherung: Kann zur Deckung der Bestattungskosten genutzt werden.

Sozialbestattung beantragen

Können Sie die Kosten nachweislich nicht tragen, übernimmt das Sozialamt die Kosten für eine einfache, würdevolle Bestattung. Den Antrag stellen Sie beim Sozialamt am letzten Wohnort des Verstorbenen. Rechtsgrundlage ist § 74 SGB XII.

Wichtig: Kontaktieren Sie das Sozialamt so früh wie möglich – idealerweise bevor Sie einen Bestatter beauftragen. Falls die Bestattung zeitlich dringend ist, beschränken Sie sich zunächst auf die notwendigsten Leistungen und dokumentieren Sie Ihre Situation sorgfältig (Einkommensnachweise, Kontoauszüge). So erhöhen Sie die Chancen auf eine Kostenübernahme.

Bestattungskosten steuerlich absetzen

Übersteigen die Bestattungskosten den Nachlass und tragen Sie den Differenzbetrag selbst, können Sie diesen als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend machen. Das Finanzamt berücksichtigt allerdings nur den Betrag, der Ihre zumutbare Belastung übersteigt.


Tipps: Bestattungskosten sinnvoll reduzieren

Auch mit kleinem Budget lässt sich eine würdevolle Bestattung gestalten:

  • Mehrere Angebote einholen: Vergleichen Sie mindestens drei detaillierte, schriftliche Kostenvoranschläge von verschiedenen Bestattern. Achten Sie darauf, dass Bestatterleistungen und Fremdkosten (Friedhof, Krematorium, Steinmetz) getrennt ausgewiesen sind.
  • Bestattungsart überdenken: Eine Feuerbestattung oder Naturbestattung ist oft günstiger als eine Erdbestattung. Die anonyme Beisetzung ist die preiswerteste Option.
  • Schlichte Ausstattung wählen: Ein einfacher Sarg oder eine schlichte Urne erfüllt den gleichen Zweck wie teure Varianten.
  • Grabart prüfen: Ein Reihengrab kostet weniger als ein Wahlgrab. Bei anonymen Gräbern oder Naturbestattungen entfallen Grabstein und Grabpflege.
  • Trauerfeier im kleinen Kreis: Eine Feier mit wenigen Gästen reduziert Kosten für Bewirtung und Raummiete.
  • Blumenschmuck begrenzen: Ein zentrales Gesteck reicht oft aus – statt vieler Einzelkränze.
  • Digitale Traueranzeige nutzen: Eine digitale Traueranzeige kostet einen Bruchteil einer Zeitungsannonce und erreicht Angehörige direkt.
  • Eigenleistung einbringen: Trauerkarten, Danksagungen oder die Dekoration können Sie selbst gestalten. Kostenlose Vorlagen helfen dabei.

Checkliste: Was Sie jetzt tun sollten

  1. Prüfen Sie, ob eine Bestattungsvorsorge (Sterbegeldversicherung, Vorsorgevertrag) existiert.
  2. Klären Sie, wer die Kostentragungspflicht hat.
  3. Bei finanzieller Notlage: Kontaktieren Sie das Sozialamt so früh wie möglich, idealerweise bevor Sie einen Bestatter beauftragen.
  4. Holen Sie mindestens drei schriftliche Kostenvoranschläge ein – mit separater Aufschlüsselung von Bestatter- und Fremdleistungen.
  5. Entscheiden Sie gemeinsam mit der Familie über Bestattungsart und Umfang.
  6. Bewahren Sie alle Belege für eine mögliche steuerliche Geltendmachung auf.

Quellen & weiterführende Informationen